Gaming als Beruf? – Ich erzähl Euch, wie ich dort hingekommen bin

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Dieser Artikel wird im Rahmen des Women’s Writers Fund veröffentlicht und bildet die persönlichen Eindrücke unserer Gastautorin ab. Das Pilotprojekt hebt die Stimmen von Frauen in der Gaming-Branche hervor und bietet eine zentrale Plattform für diverse Perspektiven auf Xbox Wire DACH.


Wie schön wäre es, wenn euer liebstes Hobby, das Gaming, irgendwann zum Beruf werden würde? Bevor ihr diesen Gedanken als Träumerei ab tut, möchte Ich Euch unbedingt erzählen, wie es bei mir wahr werden konnte.

Warum solltet ihr weiterlesen, wenn ihr Spaß am Gaming habt? Vielleicht bewegt Euch meine verrückte Geschichte dazu, dass auch Ihr Euch traut, euerm Traum ein wenig näher zu kommen. Manchmal lohnt es sich einfach dranzubleiben.

Es ist wahr: Wer wagt, gewinnt!

Als freie Autorin und Content Creator für The Elder Scrolls Online ist Gaming für mich nicht mehr nur ein leidenschaftliches Hobby, sondern es ist tatsächlich auch mein Beruf geworden. Das hätte ich selbst eigentlich nie für möglich gehalten, aber ich wurde doch eines Besseren belehrt. The Elder Scrolls V: Skyrim zog mich in einem nur kurzen Augenblick direkt in seinen Bann. 

Nur einen gefühlten Augenblick später stehe ich hier: Ich bin Teil des offiziellen ESO Stream-Teams und schreibe Artikel über das erste MMORPG der Skyrim Entwickler*innen. Und das, obwohl Konsolen und Videospiele mir als Kind von zuhause aus strikt verboten worden waren! Doch im Laufe der Jahre konnte ich meine Eltern – vor allem durch meine journalistische Tätigkeit, letztlich davon überzeugen, dass Gaming viel mehr sein kann als ein kindlicher Zeitvertreib.

Bestimmt gibt es einige unter Euch, für die das eher ungewöhnlich klingt. Aber, wenn Euch Gaming so begeistert, wie es mich seit langem begeistert, dann ist es vielleicht doch ein Ziel, das erreichbar sein kann. Manchmal muss man einen guten flüchtigen Gedanken einfach mal zulassen und sich auf das eigene Bauchgefühl verlassen. Denn genau so war es bei mir. Ich wusste, dass es Leute gibt, die sich mit Gaming beruflich beschäftigen. Aber ich habe es für eher unrealistisch für eine “Normalsterbliche” wie mich gehalten. Doch jedes Mal, wenn ich dann manche Dinge einfach mal gemacht habe, hat es sich als weniger unrealistisch herausgestellt als ursprünglich gedacht.

Und ganz wichtig: Ich habe gemerkt, dass es niemals reine Zeitverschwendung ist, wenn man leidenschaftlich bei einer Sache dabei ist. Denn jeder Versuch hat mich einen Schritt näher an den Punkt gebracht, an dem ich jetzt bin. Manchmal muss man es einfach mal machen.

Gaming ist so viel mehr als nur ein Hobby

Ich habe gemerkt, dass ich nicht die einzige bin, die so fasziniert vom Gaming ist. Denn nicht umsonst füllen sich bei Messen riesige Hallen mit unzähligen Fans. Und gerade das macht Gaming vielleicht zum Superstar aller Hobbys. Es haben sich inzwischen eine riesige Community und unzählig viele Teilbereiche rund um Gaming entwickelt und auch wirtschaftlich gewinnt es aufgrund seiner Einzigartigkeit immer mehr an Bedeutung. Somit rückt es für uns Gamer*innen nicht nur als Hobby, sondern auch als berufliche Orientierung immer mehr in das alltägliche Leben. Es ist also gar nicht so unrealistisch wie gedacht, dass man sich in dieser Branche beruflich entwickeln kann. 

Dabei habe ich ursprünglich nach meinem Abi ein Studium der Biotechnologie begonnen – und nebenher ordentlich Zeit ins Gaming gesteckt. Mit The Elder Scrolls Online (ESO) fand ich mein erstes MMO, über das ich viele Menschen kennengelernt habe, die zu einem wichtigen Teil meines Lebens geworden sind. Als ich in ESO das Raiden anfing, waren es auch eben diese Leute, die mich motivierten, beim Zocken doch wirklich einfach mal live zu streamen. Die ersten Wochen habe ich kaum einen Mucks vor der Cam herausbekommen. Je mehr Leute zuschauten, umso nervöser wurde ich. Das legt sich irgendwann einfach und vor allem schleichend. Heute bin ich bei besonderen Anlässen hin und wieder noch ein wenig aufgeregt, aber das legt sich nach 5 Minuten wieder und ich kann komplett entspannt im Stream quatschen.

Irgendwann wurde auch Bethesda auf mich aufmerksam. Zuerst bekam ich eine Einladung zu einem ESO-Event und im Dezember 2020 wurde ich dann wirklich ins offizielle ESO Stream-Team aufgenommen. Über den Community-Manager der deutschsprachigen Community von ESO, Kai Schober, hat wenig später die Chef-Redakteurin von Mein-MMO, Leya Jankowski, erfahrene ESO-Spieler*innen für einen Podcast gesucht. Der Podcast drehte sich um das ESO-Kapitel Blackwood von 2021. Obwohl ich vorher nie geplant habe, beruflich zu schreiben, ist es aber nun doch ein Teil meines Lebens und meiner beruflichen Identität geworden.

Denn als ich über Social-Media erfuhr, dass Mein-MMO jemanden für ESO-Artikel sucht, dachte ich mir: Das ist so verrückt, ich versuch das jetzt einfach mal. Und plötzlich meldet man ein Gewerbe für Gaming an – so schnell kann’s dann doch gehen. Den Podcast könnt Ihr Euch übrigens hier anhören.

Skyrim auf Xbox als entscheidender Moment

Xbox hat einen entscheidenden Beitrag zu dieser Entwicklung beigetragen. Denn mein Interesse wurde geweckt, als ich jemanden beim Spielen von Skyrim auf der Xbox zugeschaut habe. Zuerst wollte ich nur durch das Beobachten mitfiebern. Anscheinend wurde ich merklich mehr mitgerissen, obwohl ich nicht die Person am Controller war. Doch irgendwann wurde es der Person, der ich fasziniert beim Skyrim spielen zuschaute und sie andauernd zum Spielen animierte, dann doch zu viel. Wenig später war ich immer noch so gefesselt, dass ich selbst stundenlang in die Welt von Skyrim abgetaucht bin. Also entschloss ich mich schließlich, mit 19 Jahren mein Sparbuch zu plündern und mir meinen ersten Gaming-PC zu besorgen. Seit dem Lieferdatum dieses PCs hat sich absolut unerwartet eine Begeisterung und ein Ehrgeiz entwickelt, der mich letztlich dann doch in die Gaming-Branche geführt hat.

Bleibt dran, denn manche Dinge brauchen Zeit und Mut

Ich vermute, dass viele Menschen Berufe im Gaming eher als Ausnahme und seltenes Glück abtun – gerade wenn es darum geht, das Hobby zum Beruf zu machen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich in der 5. Klasse irgendwann mal Popstar werden wollte. Irgendwann habe ich dann bemerkt, dass das kein klassischer Beruf ist und es wohl die wenigsten schaffen können. Popstar werden, ist zwar prinzipiell möglich, aber doch extrem unwahrscheinlich. Wenn man diesen Umstand realisiert, kann es passieren, dass man unter Umständen auch gute Ideen mit aus dem eigenen Kosmos schiebt. Aber Vorsicht, bevor man solche Träumereien komplett vom Tisch räumt! Denn eventuell (oder ganz bestimmt) lässt sich in der Richtung doch etwas finden, was vielleicht etwas näher an der Realität liegt, als man es sich vielleicht hätte vorstellen können.

Auf Dinge, die Euch begeistern, solltet ihr in diesem Punkt noch weitere Blicke werfen und Versuche wagen. In jeder kindlichen Träumerei könnte doch etwas Realistisches stecken. Denn Stars werden nur die allerwenigsten, aber vielleicht gibt es dazwischen doch noch einiges, für das es sich lohnt, einen weiteren Augenblick zu riskieren. Und gerade Gaming wird in der Generation meiner Eltern auch noch absolut unterschätzt. Meine Eltern haben es jahrelang als “Daddelei” und sogar als Zeitverschwendung gesehen, die in keinster Weise nachhaltig ist.

Dabei habe ich schnell gemerkt, dass viel mehr als nur Beschäftigung hinter den Bildern auf dem Monitor steckt. Inzwischen konnte ich, besonders durch meine Autoren-Tätigkeit, auch meine Eltern von der Daseins-Berechtigung meines Bildes der Gaming-Welt überzeugen.

Und wie Ihr vielleicht wisst, ist es kaum möglich bis unmöglich so manche Diskussionen mit den eigenen Eltern zu gewinnen. Aber meine schrittweisen Erfolge durch dieses nicht verstandene Hobby, hat sie letztlich doch dazu gebracht, ihre Sicht auf diese Dinge zu ändern.

Ihr seid langfristig nur wirklich gut in dem, was Euch erfüllt

Diese Aussage hört Ihr wahrscheinlich nicht zum ersten Mal. Bestimmt kennen fast alle von Euch diese typischen Lebensweisheiten von älteren Menschen – besonders gerne von den eigenen Eltern: Die Aussage, dass man sich beruflich an dem orientieren soll, was einem wirklichen Spaß bereitet. Denn Geld bzw. ein hoher Lohn ersetzt keine Erfüllung im Beruf.

Vielleicht seid Ihr gerade noch in der Phase, in welcher Ihr Euch innerlich fragt, was Ihr mit diesem Ratschlag anfangen sollt. Ich wusste auch einige Zeit nicht wirklich, wie genau mir diese Aussage wirklich bei meiner Suche helfen soll. Aber in dem Moment, in welchem es plötzlich Klick machte, erklärte sich diese Weisheit für mich. Man versteht diese Dinge leider wirklich immer nur, wenn man sie gerade selbst erlebt.

Ich bin zwar unheimlich interessiert an Biotechnologie und auch ein unglaublich lernfähiger Mensch in der Praxis. Auch mit Frontalunterricht in der Schule hatte ich überhaupt kein Problem. Aber ich musste über lange Jahre hinweg die Erfahrung machen, dass das Modell des Studiums anscheinend so gar nicht mein Fall in Sachen Motivation ist.

Nachdem ich die mysteriöse Lebensweisheit nun selbst erleben und begreifen durfte, kann ich die folgende Aussage wirklich nur bestätigen: Mit viel Begeisterung ist man auf dem richtigen Weg! Die Motivation und neue Ideen kommen dann ganz von alleine.

Über unsere Gastautorin Mieze Melli

Mieze arbeitet selbstständig im Bereich Gaming. Unter ihrem ursprünglichen Gamertag “MiezeMelli” ist sie als Autorin für News und Guides zu ihrem Lieblings-MMORPG The Elder Scrolls Online zuständig. Überdies ist sie als Content Creator und Streamerin Teil des offiziellen ESO Stream-Teams von Bethesda. Im Netz findet ihr Mieze auf Twitch, Instagram, YouTube, Twitter und auf ihrer Webseite.

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